Befreiung vom Stadtfeind Nummer Eins – eine Zukunftsvision

Written by Flo Juli 14th, 2011

Wir schreiben das Jahr 2035. Berlin hat aufgeräumt. Das Schwabenbashing, im Jahr 2010 noch als Randsport betitelt,  hat sich mittlerweile zum etablierten Breitensport gemausert. Angeführt von Maik D., dem [...]

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Wir schreiben das Jahr 2035. Berlin hat aufgeräumt. Das Schwabenbashing, im Jahr 2010 noch als Randsport betitelt,  hat sich mittlerweile zum etablierten Breitensport gemausert. Angeführt von Maik D., dem Neuköllner, der damals die Kinderwagen in Prenzlauer Berg anzündete, begann die von ihm gegründete Bewegung „Schwabenfreies Berlin“ die Stadt von allen lästigen Schwaben zu säubern.

Im Jahr 2026 beschloss die Berliner Bevölkerung durch einen Volksentscheid dann die Ausgrenzung dieser in Berlin völlig deplatzierten Bevölkerungsschicht. Schwaben dürfen seit dieser Zeit nur noch in einem umzäunten Gebiet leben und müssen, sollten sie sich außerhalb der Zone bewegen, gut sichtbar das Wappen Schwabens tragen. Man könnte jetzt meinen, diese Maßnahme hätte bei den Schwaben eine Massenflucht zur Folge gehabt. Doch wer die Schwaben kennt, weiß, dass sie ihren einmal aufgebauten Reichtum nur äußerst ungern wieder hergeben. Somit wurde dadurch zwar der Zuzug neuer Schwaben-Besatzer von vormals ca. 7000 jährlich auf fast Null im Jahr 2030 reduziert. Die bereits Eingereisten blieben allerdings im Lager.

Schwabylon Kampagne Berlin Prenzlauer Berg

Die Länder Baden-Württemberg und Bayern reagierten auf diesen Akt der Isolation mit der Nichterfüllung ihrer Pflicht im Länderfinanzausgleich. Berlin erhält seitdem keine Unterstützung mehr aus den selbsternannten Hass-Ländern. Durch diese Maßnahme fehlen der Hauptstadt seither rund 2 Milliarden Euro jährlich. Das tut zwar weh, aber Hauptsache die schwäbischen Bäckereien sind aus dem allgemein zugänglichen Stadtbild verschwunden. Dort wo eben noch „Laugeweck“ und „Hefezöpfe“ über die Theke gereicht wurden, gibt es nun wieder Schrippe und Schultheiss. Sämtliche Berliner Cafés führen nun nicht mehr eine nie enden wollende Auswahl an Caféspezialitäten sondern einheitlich: Kaffee. Wahlweise mit Milch und/oder Zucker. „Wer braucht schon Vielfalt?“, sagte ein Berliner damals, „mit Kaffee und Pommes rot-weiß waren doch früher och alle zufrieden!“ Dass sämtliche Werbeagenturen und Investoren mit ins „Schwabenghetto“ zogen, stört hier niemanden. „Niemand hier will diese janzen kapitalistischen Werbefuzzis und schnieken Häuserfassaden! Endlich is allet wieder so wie vor fuffzich Jahren!“ Da Prenzlauer Berg sowieso schon ein an die Spätzlesfresser verlorener Bezirk war, störte der Zaun um dieses Gebiet auch niemanden. Alle anderen Bezirke wurden bereinigt. Eine Ausweitung des Spießertums konnte somit gestoppt werden.

Von Mietpreistreibung und einer Vertreibung der alteingesessenen Berliner kann nun keine Rede mehr sein. Ganz im Gegenteil. Es gibt wieder Wohnraum für alle. Zwar ist dieser nun marode und die Strom- und Wasserversorgung ist dank der korrupten Berliner Wasserbetriebe und Energiekonzerne eher dürftig, dennoch hat jeder ein Dach über dem Kopf. Die Lofts außerhalb des Prenzlauer-Berg-Ghettos wurden wieder einer vernünftigen Nutzung zugeführt. Endlich leben dort wieder Großfamilien, die vorher auf versifften Matratzen im Görlitzer Park vor sich hinvegetieren mussten. Teilweise diensen sie aber auch als Lagerraum für das längst alles dominierende Pfandsammelbusiness.

Besonders die Infrastruktur in der Hauptstadt leidet unter den gekürzten Geldern. Bereits nach dem ersten schwabenfreien Winter waren die Straßen und Gehwege aufgrund der fehlenden Gelder mit Schlaglöchern übersät. Die damalige Bürgermeisterin äußerte sich dazu: „Na und, dit braucht doch eh keiner mehr, jetzt wo die janzen Kinderwagen endlich weg sind.“ Universitäten und Schulen wurden ebenfalls geschlossen. Dem Senat fehlt einfach das Geld dafür.

Berlin ist nun wieder ein großes total alternatives Dorf. Wie damals vor der Wende als die Schwaben noch nicht ganze Bezirke besetzt hatten. Die Stadt verändert sich auch nicht mehr, sondern bleibt schlicht und einfach stehen. Die Bezirke außerhalb Prenzlauer Bergs wirken, verglichen mit den Schwabenghettos, zwar leblos, doch die Berliner fühlen sich nun wieder wohl. Investoren scheuen sich niederzulassen, Künstler und Kreative finden keine Inspiration mehr und haben die Stadt schon vor Jahren verlassen. Die Fashionweek ist nach Leipzig umgezogen. Hier ist alles noch authentisch und der neue Flughafen sorgt für reichlich internationales Publikum. Berlin ist endlich wieder die chaotische und dreckigste Stadt Deutschlands. Wie schön!

Schwaben-Verbot in Berlin (Hotel Michelberger)

Dass das alles totaler Quatsch ist und nie in dieser Form eintreten wird, ist hoffentlich jedem klar. Diese kleine Geschichte soll lediglich aufzeigen, wohin innerdeutscher Rassismus in Berlin führen kann. Ist es nicht genau diese kulturelle Vielfalt die Berlin zu dem macht was es ist? Ist es wirklich der Hass auf Schwaben, der Menschen „Tötet alle Schwaben!“ oder „Kauft nicht beim Schwaben“ an Häuserwände schmieren lässt oder wird einfach ein Sündenbock für die eigene Unzufriedenheit gesucht? Und wie groß wäre wohl der Aufschrei in der Bevölkerung, wenn man das Wort Schwabe durch Jude oder Türke ersetzen würde? Reicht es nicht, dass junge dumme Menschen, wie Maik D. sich dadurch angesprochen fühlen und Kinderwägen aus „Schwabenhass“ anzünden? Wenn alle Schwaben aus Berlin wegziehen würden, würde dann eine andere Gruppe den Hass auf sich ziehen? Wie wäre es zum Beispiel mit Menschen aus NRW? Denn jährlich ziehen beinahe doppelt so viele NRW´ler als Baden-Württemberger nach Berlin.

Braucht eine tolerante Weltstadt wie Berlin tatsächlich immer ein Feindbild?

Schwaben Raus Schriftzug Berlin Mauerpark

Dieser Artikel befindet sich in der Auswertung und kann vorrübergehend nicht kommentiert werden!

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