
Berlin boomt, keine Frage. Die Hauptstadt feiert sich selbst: Neben London und Paris ist sie die Nummer drei im europäischen Ranking der attraktivsten Stadtmetropolen. Fast 20,8 Millionen bezahlte Übernachtungen in Berlin im Jahr 2010. Der Touristenverband-Chef Burkhard Kieker hat ein ehrgeiziges Ziel. Bis zum Jahre 2020 sollen es mehr werden, viel mehr – 30 Millionen Übernachtungen pro Jahr. Das einzigartige Berliner Flair, in dem unkonventionell Deals und Freundschaften entstehen, schwindet dahin und treibt die Menschen aus der Stadt. Weg aus Berlin. Die Schattenseiten der Berliner Tourismuspolitik ziehen ihre gentrifizierenden Kreise und doch ist Berlin attraktiv wie nie zuvor. Ein Phänomen, das heute nur noch Touristen verstehen.
Touristen, Künstler, Feierwütige, Musiker, Kulturinteressierte, DJs, Medienfachleute, Studenten, Senioren, Gays, Trans* und Lesbians – männlich, weiblich und intersexuell. Wenn Berlin ruft, kommen sie alle. Ein multikultureller Mix aus Sprachen, Lebensstilen und Lebensformen. In Scharen und unbeirrt von der Kehrseite der Medaille. Die Japaner, die jede Bewegung und jedes kitschige Objekt mit der Kamera auslösen. Die Spanisch sprechenden Menschen, die die Freiheit des Alkoholkonsums geniessen, wo in ihrem Land doch Restriktionen wie z.B. Alkohol an öffentlichen Orten und Sperrzeiten existieren.
Die Schwulen und Lesben, die Berlin als queerste Metropole Europas zu den (transgenialen) CSD Paraden und schwullebischen Stadtfesten heimsuchen und das tolerante Weltbild von Berlin stärken (Hi-Five!). Die Nachbarn, die bei jeder Party oder musikalischen Probe im Victoria-Park inzwischen die Polizei rufen. Der Sauftourismus, der sich direkt vor der eigenen Haustür in Neukölln, Kreuzberg, Friedrichshain und Prenzlauer Berg bis in die Morgengrauen abspielt. Die am Wochenende “vollgekotzten” Trams gen Warschauer Strasse. Der Müll, der sich an den unmöglichsten Stellen auf den Strassen stapelt. Und am Ende fühlt sich niemand dafür verantwortlich. Wer zahlt den Preis und trägt die Kosten für den (Kultur-)Verfall Berlins?
“Die vielen Gesichter Berlins.” (siehe Youtube Imagefilm)
Ein Titel des Image- und Kampagnenfilms ‘visitberlin’ der Berlin Tourismus Marketing GmbH, um die Hauptstadt als modern, dynamisch und weltoffen zu präsentieren. Doch wieviel Wahrheit steckt in diesem Titel? Berlin sitzt trotz Tourismus-Rekordzahlen seit 2009 auf einem Schuldenberg von mehr als 60 Milliarden Euro. Im Jahr 2010 sind 1,4 Milliarden Euro Neuschulden hinzugekommen, was umgerechnet 17.420 Euro Schulden pro Einwohner bedeutet. Der Schuldenberg spiegelt sich vermehrt wider in den baufälligen Immobilien von unattraktiven Vierteln wie z.B. Lichtenberg, Marzahn oder Hennigsdorf. Dort, wo kein Tourist vom Berliner Stadtmarketing hingelockt wird. Still und heimlich werden die hässlichen Seiten von Berlin unter den Teppich gekehrt. Das Berliner S-Bahn Chaos und die steigenden Zahlen der am Existenzminimum lebenden Menschen (Sozialhilfeausgaben 2009: 1,3 Millarden Euro) sind weitere Indizien dafür, dass Berlin in einer anderen Liga spielt als London und Paris im Städtevergleich.
Das Hamburger Forschungsinstitut Gewos prognostiziert: Im Jahre 2015 werde Wohnungsnot in Berlin herrschen, weil der Bedarf an Wohnungen für ca. 50.000 Haushalte steige, Berlin jährlich jedoch nur 3.500 Wohnungen baue. Die Miete für Wohnraum in Berlin ist dem Mietspiegel 2011 nach um 7,9% seit der letzten Datenerhebung 2009 gestiegen.
Berlin ist nicht mehr “arm aber sexy“, es ist jetzt arm und Mainstream. Die Konsequenz: Der Wutbürger formiert sich in Berlin und bildet Anwohnerinitiativen wie “Wem gehört die Stadt?”, um sich zur Wehr zu setzen. Wenn nicht in Berlin, wo dann!? Falsch gedacht. Der Berliner geht heutzutage auch schon mal mit den teuren Marken Northface und Nike zur 1. Mai Demo anstelle wie erwartet als Punk seinem Ärger Luft zu machen. Die Entpolitisierung Berlins schreitet mit jedem Touristen fort, der unter markenstrategischen Aspekten nach Berlin gelockt wird. Und mit jedem Touristen steigt die Antibewegung zum Berlin Hype.
Aus dem Lebensgefühl von I heart Berlin wurde die Lebensbekenntnis ‘I disheart Berlin‘. Familien fliehen aus den Szenevierteln und lassen sich in Pankow und Umfeld nieder. Susanne P. erklärt mit einfachen Worten, warum das Thema Suburbanisierung sie betrifft: “Für die Zukunft meiner Kinder und, weil ich dort für das selbe Geld das Doppelte an Wohnraum habe.”
Andere Berliner gehen noch weiter. Sie ziehen komplett weg aus Berlin. Weg vom Lärm und Dreck der Großstadt. Weg von der Arbeits- und Perspektivlosigkeit in Berlin. Fort von der Berliner Ignoranz und Unfreundlichkeit, die für manche unertragbar erscheint. Die Stadtflucht als Chance zur Erholung und zur Rückgewinnung der Lebensqualität. Die Chance auf ein besseres Leben. Alleine, zu zweit oder mit Kindern.
Die meisten Künstler, die der Kunst- und Kulturvielfalt wegen nach Berlin gezogen sind, leben heute am Existenzminium. Ohne Arbeit und ohne Wertschätzung für ihre Arbeit. Sie schlagen sich mit Gelegenheitsjobs durch, die nichts mit ihrem eigentlichen Beruf zu tun haben. Berlin beherbergt zuviele Kunst- und Kulturschaffende aus aller Welt – ein weiteres Resultat des Berliner Stadtmarketings. Es ist schwer, für jeden einzelnen Kunstschaffenden, sich in diesem Dickicht von Kunst und Kultur durchzuschlagen und herauszustechen. Aus diesen harten Fakten entwickelt sich mittlerweile die Tendenz, dass viele Kunst- und Kulturschaffende wieder aus Berlin wegziehen, weil die Hauptstadt ihnen keine Perspektive bietet, aber fordert, kreativ zu sein. Von Luft und Liebe können sie nicht leben. Dabei sind es gerade die Künstler, weswegen Millionen von Touristen alljährlich nach Berlin strömen. Stellt sich die Stadt Berlin dadurch nicht selbst ein Bein? Was ist an Attraktivität für die Hauptstadt übrig geblieben, das Berlin so einzigartig macht? Ist Berlin nur interessant, solange die Menschen selbst hier nicht dauerhaft leben müssen? Wen schert der Dreck von Getränken und Essensresten, den ein Tourist hinterlässt? Schliesslich bezahle dieser dafür, dass Berlin davon leben kann. Aha! Und, wenn sich mürbende Stimmung breit macht, ja, dann wird dies als Fremdenfeindlichkeit statuiert. Der perfekte Sündenbock ist geboren: Die Berliner Schnauze!
Und der „Ur-Berliner“? Berühmt für seine schnoddrig, ruppig-barsche Offenheit sucht er seinen Platz in der Metropole, die gleichsam seine „Heimat“ ist. Inmitten von Touristen, Zugereisten, Multikulti und Events pflegt er seine althergebrachten Gewohnheiten und beharrt stur auf seinen ihm so ganz eigenen Animositäten. Das lose Mundwerk, die brutale Direktheit im Umgang mit Allem und Jedem, und der Drang, alles was „neu“ und „anders“ ist erst einmal argwöhnisch zu beäugen – da blüht er auf, hier kann er sein. Und dennoch Berlin als Weltstadt?
Von Hohenschönhausen bis Friedenau, von Schrebergarten bis Platte, Ku’Damm bis Kiez – all das ist Berlin. Der „Ur-Berliner“, groß geworden in einer Stadt auf die immer die „Augen der Welt“ gerichtet waren und sind, hat sich auch immer ein Stück weit seine miefig, piefige Art behalten. Die hippesten Events, die modernsten Locations, die kühnsten Projekte – all das kann nichts daran ändern – unten drunter bleibt er sich doch immer treu. Wie der Rest der Welt ihn sieht – es schert ihn nicht. Man erkennt ihn auf Anhieb auch in New York, Paris und anderswo. Und doch, er lässt nichts kommen auf Berlin. Gern geht er für eine Zeit, und seien es Jahre. Hinaus in die Ferne, weg von „Berliner Schnauze“ und Kiez. Aber immer kommt er auch wieder. Etwas zieht ihn wieder heim. Zu “Konnopke”, “Molle” und „Mont Klamott“. Dieser Widerspruch steckt in ihm und, bewusst oder unbewusst, arrangiert er sich das Leben das es passt. Und genau dies prägt Berlin in gleichem Maße wie Friedrichstrasse, Alexanderplatz und Brandenburger Tor. Es gibt wenig was es nicht gibt in Berlin – und sei es der stärkste Kontrast. Auf jeden Topf passt ein Deckel, für jeden ist etwas dabei. Nur findet jeder was er sucht? Ist der Großstadtdschungel schon zu groß, zu komplex, zu diffus? Erschlägt das Angebot den Suchenden? Oder verschwimmen die Grenzen schon jetzt, so dass der „Ur-Berliner“ nichts mehr findet und sich im Mix der Nationen, Trends und Kulturen verliert? Gibt es noch „die“ Berliner Kultur?
Fazit
Trotz aller Beispiele über die Auswirkungen des Berliner Stadtmarketings, so bleibt Berlin in unseren Augen die pulsierendste und facettenreichste Stadt in Deutschland. Hier findet jeder seine Nische und Social Peer Group, um sich ausdrücken zu können und, um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Nirgendwo in Deutschland gibt es soviele kostenlose Veranstaltungen ohne kommerziellen Hintergrund (z.B. Fête de la musique, Karneval der Verpeilten, Karneval der Kulturen, etc.). Hier kann jeder wahrgenommen werden, ohne sich über den “Status Quo” rechtfertigen zu müssen. Berlin ist die einzige Stadt in Deutschland, in der niemand sich schämen “muss”, am Existenzminimum zu leben (im Vergleich zu Hamburg oder München). Touristen kommen und gehen und verändern diese Stadt mit – mit ihren Akzenten, mit ihren Ideen, mit ihren Erwartungen und Hoffnungen, sich niederzulassen, um am Puls der Zeit mitzuwirken. Aus Touristen werden Berliner, die der Haupstadt das Bild geben, das Berlin heute ist. Auch, wenn vorrübergehende Touristen nicht das Gesamtbild Berlins serviert bekommen, so muss auch ihnen eine Chance gegeben werden, die Anzeichen der Suburbanierung zu erkennen, um dem Ganzen entgegenwirken zu können.
Stimmen und Meinungen zur Stadt Berlin:
”Berlin geht an seiner Attraktivität zugrunde.” [Martin Steffens, 48-Stunden-Neukölln-Chef, Neuköllner Nachrichten 9.5.2011]
”Und doch gibt es einen großen Unterschied zwischen Berlin und den anderen Gewinnern: Städte wie Melbourne und Zürich sind nicht nur lebenswert, sie sind auch offen für Wandel. Man spürt, dass sie bereit sind, neue Ideen umzusetzen, Geld zu verdienen, und dass Ausländer dort nicht einfach nur geduldet, sondern willkommen geheißen werden als Teil des urbanen Abenteuers (…).” [Roger Boyes, Tagesspiegel 6.7.2011]
“Der Berliner Lebensstandard ist einmalig. Die (immerhin) niedrigen Mieten gehören dazu (…). Wo sonst kriegt man so viel aufgetischt, unverdient und irgendwie selbstverständlich? Es muss also gute Gründe geben, um den Schritt raus aus der Stadt zu wagen.” [Piotr Buras, Tagesspiegel 7.7.2011]
“I love the anarchy of stone and flesh visible only at night. The city is a web. The city is my mother (…). I love the radical proletarian style that she has adopted; I love how she can shine with splendour underneath the grime. I love her penchant for slumming, her nightly quest for an authentic and purifying anarchy of body and soul…” [Paul Verhaeghen, im Buch: 'Omega Minor', 2006]
© Text by Thuy und Lennart Durak.
Wichtiger Hinweis: Wir danken allen, die uns diesen Blogartikel ermöglicht haben durch ihre Meinungen, Texte, Bilder, etc.! Für die Einfachheit der Lesbarkeit wurde für allgemeine Begriffe (z.B. “Künstler”) die männliche Form gewählt, gemeint ist jedoch immer die männliche, weibliche und intersexuelle Form.

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Fragen an unsere Leser/innen:
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@ Berlin Interessierte: Was ist es, was Euch an einem Leben in Berlin reizt? Was zieht Euch her, was zieht Euch an? Der Job? Das Umfeld und die Szene? Oder einfach nur die Liebe?
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@ Berlin Hasser: Du willst weg, du willst fort – was widert Dich an, was macht Dich krank?
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@ Touristen: „Paris sehn und sterben“ sagt das Sprichwort – und Berlin? Was würdest Du gerne von Berlin erleben, was Du glaubst, als Tourist nicht mitzubekommen?
- @All: Was geht Euch durch den Kopf wenn Ihr an Berlin denkt, was bewegt Euch beim Stichwort „Hauptstadt und Metropole“? Wie sind Eure persönlichen Meinungen, was habt Ihr erlebt in Berlin? Was wollt Ihr erzählen, was muss einmal gesagt werden?
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Quellen
Presse | Guides
http://www.morgenpost.de/berlin/article1618177/Wie-Berlin-noch-mehr-Touristen-anlocken-will.html
http://www.morgenpost.de/berlin/article1035419/Burkhard_Kieker.html
http://www.csd-berlin.de
http://www.regenbogenfonds.de/index_d.php
http://www.tagesspiegel.de/berlin/das-ist-nicht-mehr-unser-wrangelkiez/3893872.html
http://www.visitberlin.de/de
http://www.bild.de/regional/berlin/chaos/klaus-wowereit-berliner-haben-die-schnauze-voll-11095002.bild.html
http://www.focus.de/politik/deutschland/wowereits-berlin-slogan_aid_117712.html
http://www.freitag.de/politik/1117-vom-wandel-der-kampfstoffe
http://www.cafebabel.de/article/31585/berlinhype-deutschland-touris-wollen-kiezkultur.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Suburbanisierung
http://www.berlin.de/tourismus/berliner_schnauze/index.php
http://konnopke-imbiss.de
http://neukoellner-nachrichten.de/2011/05/09/berlin-geht-an-seiner-attraktivitat-zugrunde-48-stunden-chef-martin-steffens-im-interview-mit-den-nn
http://www.tagesspiegel.de/meinung/wie-berlin-uns-alle-betruegt/4350786.html
http://www.tagesspiegel.de/berlin/im-bann-der-kiezwelt/4365508.html
http://creativecommons.org/licenses/by/3.0
http://www.gratis-in-berlin.de
Fakten & Zahlen
http://www.berlin.de/sen/wirtschaft/abisz/tourismus.html
http://www.tagesspiegel.de/berlin/2015-droht-wohnungsnot-in-ganz-berlin/2732844.html
http://www.tagesspiegel.de/berlin/landespolitik/6-3-milliarden-euro-neue-schulden-fuer-berlin/1513096.html
http://www.morgenpost.de/berlin/article1508345/Berlin-hat-17-420-Euro-Schulden-pro-Kopf.html
http://www.statistik-berlin-brandenburg.de/pms/2010/10-12-03.pdf
Nicht verlinkt, aber als Lektüre dienlich
http://www.spiegel.de/reise/staedte/0,1518,762432,00.html
http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,748314,00.html
http://www.statistik-berlin-brandenburg.de/produkte/KleineStatistik/kBEst_2010.pdf
Bilder
http://www.flickr.com/photos/charalambosp/5635121444/sizes/o/in/photostream (Headerbild by charalambosp | Flickr User)
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Linkempfehlungen
http://b-like-berlin.de
http://gentrificationblog.wordpress.com
http://blog.rebellen.info




42 Kommentare
ich bin auch nur zugezogen – und liebe diese Stadt mit ihren unendlichen Möglichkeiten (besonders unter der Woche): man geht aus, um sich gemütlich in einer Bar zu treffen und schwuuuhuuups isses 5 Uhr morgens und man lustige Leute kennengelernt, wie zum Beispiel einen Franzosen, der um die Ecke einen kleinen Crépes-Laden hat … man klettert auf die Dächer von Berlin und genießt den Sonnenaufgang … auch wenn sich einige Stadtteile verändert haben und einige attraktiver als andere sind, so ist es doch Veränderung, die das Leben erst schön macht..
Hey Tanja,
würdest du uns ein einschneidendes Erlebnis aus deinem Leben erzählen, das dich in Berlin geprägt hat in ihrer Einzigartigkeit?
hi thuy …. das mit dem ich-geh-mal-kurz-in-eine-bar-und-komme-5-uhr-morgens-wieder war ein erlebnis von mir … ansonsten bin ich der meinung, dass weniger die stadt selbst ausschlaggebend ist, sondern die menschen .. hauptsache ich fühl mich wohl egal ob mainstream oder was anderes …
Und wo könntest du dir vorstellen, noch zu leben, wenn Berlin nicht mehr zur Auswahl stünde?
Top City No. 1?
Flop City No. 1?
Ich will nicht sagen, dass ich Berlin hasse, ich habe dort sieben schmerzhaft-schöne Jahre verbracht, aber irgendwann hat man alles gesehen und erlebt. Und dann reicht’s vor allem mit dem Lärm, den die für ein Jahr zugezogenen Partyleute auch nachts mitten in der Woche im tiefsten Wohngebiet veranstalten.
“… mit jedem Touristen steigt die Antibewegung zum Berlin Hype.” trifft es auf den Punkt.
Berlin ist einfach zu Berlin.
Wie recht du hast, liebe Katrin. Aber noch bin ich nicht lange genug in Berlin, um mich vertreiben zu lassen. Ich denke, man solange selbst in Berlin lebt und weiss, wo man sich zurückziehen kann, um der Meute zu entgehen, ist das noch erträglich. :)
Hast du jetzt komplett mit Berlin abgeschlossen oder würdest du Berlin noch eine Chance geben, wenn sich Einiges ändern würde?
Auf der einen Seite ist und bleibt Berlin eine tolle, pulsierende Stadt. Und als Besucher (Tourist ;)) komme ich immer gerne, dann pick ich mir auch die Sachen abseits der Meute raus oder das ein oder andere interessante Event.
Aber wohnen und leben möchte ich nicht mehr dort, ich würde mich nie heimisch fühlen. Dazu ist Berlin einfach zu prollig, zu wichtigtuerisch und zu viel “Ameisenhaufen”.
Es ist immer die Frage, was man sucht.
Oder die Frage, wo man weiss, was man finden kann, wenn man es sucht. Und solange es genug Rückzugsmöglichkeiten gibt (die den Touristen vermutlich vorenthalten bleiben, da sie hier nicht leben), bleibt die Stadt auch eine tolle Stadt. :) Nicht alle Touristen sind Gott sei Dank rücksichtslos. Es gibt viele, die hinter die Kulissen des Stadtmarketings schauen möchten, aber das finden sie nur, wenn sie Kontakt zu den “Einheimischen” suchen wollen.
[...] den Originalbeitrag weiterlesen: Fliehen statt Feiern: 'I disheart Berlin' und die Schattenseiten … Teile und hab Spaß Mit Klick auf diese Icons kann man diese Webseite mit anderen Social [...]
Wenn man den Trubel nicht direkt vor dem Fenster hat, ist Berlin schon toll…Touristen wird es auch immer geben und wir sind ja auch selbst oft genug welche….was mich persönlich nervt, sind die rücksichtslosen, die zum Beispiel mit Absicht Flaschen auf den Fahrradweg schmeissen und auch nachts um 3 die ganze Straße an ihren Beziehungsproblemen teilhaben lassen…aber ich denke, damit muß man in einer Großstadt einfach rechnen…
Bun, ich habe dafür leider auch keine Lösung. Du hast Recht, wir sind auch oft genug Touristen und vergessen das selbst immer wieder.
“Señorinas, haben Sie schon aufgegessen oder wollen Sie endlich den Tisch freimachen..!?”
Ich sehe die Problematik eher bei dem Ziel des Senats, innerhalb von 9-10 Jahren mehr als 10 Millionen weitere Übernachtungen zu forcieren. Wo sollen die denn alle noch hin?
Ich weiss auch, warum. Er hat viel vor, der Gute! ;-))
Wer wissen möchte, wie und wo Berlin derzeit steht, hier ein Tipp: Das Amt für Statistik Berlin Brandenburg hat im März 2011 “Die kleine Berlin Statistik” (80 Seiten) veröffentlicht. Direktlink: http://www.statistik-berlin-brandenburg.de/produkte/KleineStatistik/kBEst_2010.pdf
Sehr gute Zusammenstellung!
Das Thema kocht vieleicht deshalb zur Zeit besonders hoch, weil die Feiernden aus vielen Bezirken verdrängt wurden und sich jetzt alles in wenigen Bezirken (Kreuzberg, F’hain) konzentriert.
Der Prenzlauer Berg ist inzwischen flächendeckend “beruhigt” (Beispiel: Knaack), Mitte ist vollbetoniert und öde, dort findet man zwar teure Restaurants aber kaum noch ein Cafe oder eine Kneipe, die nach 20 Uhr noch geöffnet ist.
Wenn jemand gehen (fliehen) will, dann kann er das. Viel schlimmer finde ich, das Leute gehen müssen, die nicht gehen wollen. Weil sie die Mieten nicht mehr bezahlen können, weil der Senat nichts dagegen unternimmt, dass viele Wohnungen entmietet und als Ferienwohnungen genutzt werden usw.
Die Verirrungen des Tourismus, wie Pub-crawl, Bierbikes, usw. machen Berlin zum Ballermann und Sauf-Puff des Nordens. Irgendwann haben auch die Touristen das über und bleiben weg.
Denn einzigartiges hat Berlin kaum noch zu bieten. Du findest an jeder Ecke die Systemgastronomie und die Shopping-Ketten, die es in jeder Stadt ab 50.000 Einwohnern auch gibt. Und das was es noch an interessantem in Berlin gibt wird nach und nach verdrängt.
Zur Vertiefung des Themas würde ich übrigens den “Gentrification Blog” von Andrej Holm empfehlen. Wir haben uns auch schon mit dem Thema beschäftigt, u.a. auch mit dem Sticker “Berlin doesn’t heart U” http://wp.me/pxzi2-4Nq
Vielen Dank für deine Gedanken. Ich stimme mit allem überein, was du schreibst. Dennoch glaube ich, dass die Touristen das nicht über haben und wegbleiben werden. Oder zumindest wird das noch eine ganze Weile gehen, denn im Vergleich zu anderen Metropolen in der Welt, bleibt Berlin weiterhin billig zum Reisen und auch zentral. Viele junge partywütige Menschen ziehen weitere junge partylustige Menschen an. Und solange es hier noch genug Veranstaltungen gibt, die hochwertig – manche sogar kostenlos (z.B. Karneval der Verpeilten, Fête de la musique, etc.) – sind, wird Berlin ein (Kassen-)Magnet bleiben.
Danke für die interessanten Einblicke der Links. :)
Berlin ist nicht mehr arm aber sexy, sondern arm und mainstream fasst das Phänomen für mich perfekt zusammen. Ich als Berlinerin bin trotzdem, nach 2 1/2 Jahren Ausland wieder her gezogen. Ich glaube nicht, dass alles was Berlin ‘Berlin’ macht, schwinden wird. Dafür gibt es viel zu viel. Die Stadt ist riesig und bietet unglaublich viele Möglichkeiten. Der Tourismus Hype wird wieder abnehmen, dann ist es vielleicht die Stadt Sofia oder Prag, die die Leute fasziniert. Mal gucken wie die Berlin dann aussieht. Ich bin gespannt!
Drehen wir den Spieß mal um: Was würdest du in Sofia oder Prag erleben wollen, was das Stadtmarketing dir nicht zeigen würde? Gehörst du zu den Pauschalreisenden oder eher zu den jenigen, die den Kontakt zu den Einheimischen suchen? Was tust du, um die Einheimischen zu finden? Couchsurfing?
Meine Erfahrung in Rom:
Trotz aller Bemühungen um eine bestimmte Veranstaltung in Rom, die fernab des Tourismus sein sollte, war ich erfolglos. Wir haben das Event überall gesucht. Es sollte “alternativ” sein und nicht mainstream-belastet. Der Flyer klang zumindest so. Am Ende stellte sich heraus, dass dieses Event an einem öffentlichen Ort am Wasser zwischen den einzelnen Brücken war. Zusammen mit einem Stadtfest, das vom Stadtmarketing promotet wurde. Da war ich sehr dankbar, dass es in komplett Berlin anders ist.
Auch als dem Job hinterher gezogene schwäbische Besatzungsmacht würde ich gerne mal mit dem Buschmesser durch die Touristenschwärme ziehen (vor allem als ich mich gestern beim Umfahren eines solchen filmreif vom Rad geworfen habe). Aber abgesehen davon, dass sie immer im Weg stehen, finde ich die Touristen eigentlich unproblematisch. Eigentlich braucht man doch viel mehr davon, um den schönen neuen Flughafen auszulasten, mit dem man – zumindest im Süden – auch gleich das Problem der hohen Mieten löst, die sich dann wohl proportional zum Wert der Grundstücke verhalten werden. Und wenn da nachts die Flugzeuge rüber brettern, kommt es auf ein paar Clubs sicherlich auch nicht mehr an, Lärm ist dann ja politisch gutgeheißen. Und Schulden machen wäre doch eigentlich auch nicht so verkehrt, wenn man hinterher nicht die Banken retten müsste, denen man nicht zumuten kann, ein Risiko zu kalkulieren. Ich hätte gar kein Problem damit, Herrn Ackermann zu sagen, dass er seine 17420€ leider nicht wieder sieht. Das geht alles schon noch ne Weile gut. Die Kleinen, die jetzt gerade im Kindergarten durch den Prenzlauer Berg geschoben werden, sollten sich allerdings Sorgen machen.
Blödes Volk, blick auf diese Stadt!
Von Georg Diez
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,773066,00.html
Passt auch zum Thema!
Genau, passend zum Thema! :)
Georg Diez:
“Berlin nervt, und zwar vor allem die Leute, die hier leben….(…).”
“Berlin nervt aber vor allem die Leute, die hier nicht leben, und das nervt am meisten. (…).”
Immer her mit der Neuköllner-Gentrifizierung! Bisher finde ich es toll! So oder so.. mit Kind werde ich auf jeden Fall früher oder später in einen behüteten nd ruhigen Stadtteil ziehen. Berlin soll es aber bleiben. Denn die Stadt ist toll, ich liebe sie. Auch wenn sie mich bisweilen anekelt und traurig macht.
Ach ja: Und so unfreundlich sind die Berliner gar nicht. Im Vergleich zu den Brandenburgern °_o
Hallo Lena. Also aus Sicht von Jemand, der in Marzahn groß geworden, etliche Jahre in ganz Deutschland (Bayern, NRW, Rheinland-Pfalz, Sachsen…), dazu etliche Wochenenden in Neukölln gewohnt und nun am Berliner Stadtrand im Norden seine Heimat hat kann ich nur sagen: GENAU! Es gibt teilweise echt Schlimmeres als nen “Berliner”^^ Aber wo in Berlin würdest Du denn dann hinziehen?
Schwierig, das kommt darauf an, wie gut ich mal verdienen werde °_o Friedenau finde ich schön.
Pankow vielleicht auch…. Behütet soll es sein. Nicht zu behütet, aber ein wenig.
Beides schöne Ecken. Pankow wird wohl eh einer der neuen “da-will-ick-wohnen”-Bezirke laut IVD-Studie. Un das Beste daran – man ist so schnell “im Grünen” – optimal für Kind und Kegel. War für uns ein ausschlaggebender Grund an den Stadtrand zu ziehen.
Ach echt? Ich finde es ein bisschen zu ostig, aber vielleicht habe ich nicht die richtigen Teile von Pankow inspiziert.
Als Wochenend-Abenteuer-Besucher und Tourist mit entfernter Ur-Ost-Berliner-Verwandtschaft kann ich sagen, dass mir Berlin auch zu Berlin ist und ich immer wieder froh war, wenn es zurück in die langährige Wahlheimat, die schönste Stadt der Welt, ging. Denn, da muss ich Katrin Recht geben, es gibt andere Großstädte, in denen man dem Ameisenhaufen, dem Prolligem und Wichtigtuerischem besser entkommt. Vielleicht braucht es aber auch einfach nur ein dickeres Fell oder eine hartnäckigere Verweildauer um sich mit Berlin zu arrangieren. Die Ur-Berliner schaffen es ja auch irgendwie :)
Na, ich glaube, du musst ein Grundgefühl von vorn herein entwickeln. Wenn du dies nicht hast, wirst du es nimmer finden. Auch nicht mit “Arrangieren”, dann wärst du nur mit dem halben Herzen dabei, oder?
Es muss ja auch nicht jeder Berlin mögen. Das ist komplett legitim. So wie ich Hamburg als total entspannend empfand sonntags auf den Strassen, so empfand ich London als megastressig, obwohl ich die Stadt in der Woche und als Tourist mochte. Und auch in London gibt es tolle ruhige Rückzugsmöglichkeiten.
Berlin, Du bist so wunderbar …
Nach 15 Jahren in Berlin-Kreuzberg bin ich vor kurzem nach Hamburg–wilhelmsburg gezogen, in einem stinknormalen Viertel mit Migranten, Alten, Studenten und auch ein Paar Künstler .Ich genieße die unaufgeregte Stimmung, die Mischung, die Mentalität der Menschen. Berlin ist mittlerweile eine tolle Stadt für das internationale Party-Volk bis Ende 20. Das war aber auch. Die Touristenschwemme (und ich meine auch damit die “Langzeit-Touristen” hat die “Berliner-Mischung” zerstört und vielen Menschen wie mich irgendwie heimatslos gemacht. Wer lebt schon gern in einem Haus, wo jede zweite Wohnung illegal als Ferienappartment vermietet wird und die ganze Nacht gefeiert wird. In einem Viertel, wo jede Nacht gekotz und randaliert wird wie am Wochenende auf der Reeperbahn?
Hallo. Also ich kann das Erlebte und die Konsequenzen völlig verstehen – muss aber sagen das Berlin doch viel viel mehr is als nur “jede zweite Wohnung illegal als Ferienappartment vermietet wird und die ganze Nacht gefeiert wird.” Klar – die Bezirke, Viertel gibt es….aber auch jede Menge andere. Als wir aus Neukölln zum beispiel weg sind war ich auch froh. Der Dreck, der Terz, die ganze Atmosphäre. Aber auch dort gibt es Ecken die sind komplett anders. Und wenn ich an Hamburg denke – na da gibts auch viele Bereiche wo ich ungern leben wollen würde. Und damit mein ich nicht unbedingt die weniger gut gestellten. Ist es nicht auch so das man , dadurch das man selbst altert auch die eigenen Interessen anders werden. Man bestimmte Dinge nicht mehr mag oder im Gegenzug eher haben möchte?
LG Lenni
Im November 2010 wurde von der Hamburger Brandmeyer Markenberatung ein Stadtmarken-Monitor, mit einem Ranking für 34 deutsche Großstädte vorgestellt.
Ein Ergebnis dabei, vor allem die jungen Leute reisen gerne nach Berlin, aber wohnen/leben möchten sie in Berlin nicht. Einige Ergenisse hier:
“Berlin das einzigartige Ziel für eine Städtereise – und um zu bleiben?” http://wp.me/pxzi2-37e
http://www.spiegel.de/spiegel/unispiegel/d-79243449.html
Wow! Danke für deinen informativen Blogartikel (http://blikeberlin.wordpress.com/2010/11/26/berlin-das-einzigartige-ziel-fuer-eine-staedtereise-und-um-zu-bleiben). Diese Statistik müsste man verbreiten. Also ist es nicht nur ein Grundgefühl, sondern wahr, dass Berlin nur solange attraktiv ist, wenn man selbst nicht hier leben muss, sondern feiern und die Sau raus lassen, jederzeit aber wieder verschwinden kann…Hamburg, meine Perle! :)
Hamburg hat kürzlich ebenfalls eine neue Kampagne (“Du hast Hamburg gerade noch gefehlt.”) gestartet, um junge Leute nach Hamburg zu locken (http://www.hh-wg.de). Vermutlich, weil sie glauben, dass Berlin ihre High Potentials abgreift.
Sehr interessant ist auch der Städtevergleich Berlin-München und die Analyse des Berlin-Marketings von Martina Löw in ‘Soziologie der Städte’, (2008). Wir haben einige markante Sätze daraus in unseren Berlin-Zitaten aufgegriffen (http://bit.ly/ndsGcS ).
“Während Berlin für Sex steht, steht München für Liebe. In München verliebt man sich, mit Berlin geht man ins Bett …
(Prof. Dr. Martina Löw, deutsche Soziologin – aus ‘Soziologie der Städte’)
Was das “Abgreifen” anbelangt, da greift die Stadt zu allen Tricks. Beispiel:
Zöllner ruft Neuimmatrikulierte “von außerhalb” auf, Berlin zum ersten Wohnsitz zu machen
http://www.berlin.de/sen/bwf/presse/archiv/20110402.1045.338670.html
Ich bin vor ungefähr drei Jahren zwecks Studium nach Berlin gezogen und muss hier auch nicht unbedingt bleiben. ich finde, es ist einfach kein Ort für “Erwachsene”. Ich möchte mit 70 nicht in einer überfüllten S-Bahn um den Sitzplatz kämpfen und kann mir auch nicht wirklich vorstellen, hier eine Familie zu gründen. Wobei das eventuell auch vom Bezirk abhängt.
Natürlich ist es als junger Mensch schon reizvoll nach Berlin zu ziehen. Endlich gab es mal Clubs, in denen Musik lief, die ich mochte, ich musste nicht extra zwei Stunden fahren, um ausgiebig shoppen zu gehen…. Aber ich glaube langsam, dass mir Berlin relativ egal ist und ich auch gut und gerne woanders leben könnte.
Spannendes Thema – aber doch eine kleine Anmerkung. Im Text steht:
“Die Konsequenz: Der Wutbürger formiert sich in Berlin und bildet Anwohnerinitiativen wie “Wem gehört die Stadt?”, um sich zur Wehr zu setzen.”
Es gibt ja tatsächlich Anwohner- und Stadtteilinitiativen in Berlin – ob die alle ins Wutbürher-Schema passen, wie hier unterstellt wird, weiss ich gar nicht. Was mich aber wirklich wundert: Warum benennt und verlinkt ihr ausgerechnet zu “Wem gehört die Stadt?”, einem Protestnetzwerk aus Frankfurt am Main? Oder zählen die jetzt wegen des künftig wachsenden Tourismus auch schon zu Berlin und ich habe den Gag einfach nicht verstanden?
Beste Grüße, AH
Hallo AH, vielen Dank für das aufmerksame Lesen. Welch eine Ehre, dich auf dem Blog zu haben. Es war natürlich kein Gag, sondern ein kleines Versehen. :) Der richtige Link dazu ist unter “Bildern” zu sehen (gefunden auf: http://dkpfriedrichshainkreuzberg.blogsport.de/images/Stadtmotive3.jpg). Danke für den Hinweis. “Wem gehört die Stadt”-Aktionen tauchen mittlerweile vermehrt in unterschiedlichen Städten auf. Das Motiv sieht Starbucks ähnlich, deswegen haben wir das Motiv gewählt. Auch, wenn Wutbürger das Wort des Jahres 2010 ist und eher als Synonym für Stuttgart 21 steht, so finde ich das Wort passend, weil die Menschen mittlerweile aktiver sind und für ihre Rechte kämpfen. Hast du andere neue Statistiken für uns? Du beschäftigst dich ja anscheinend sehr viel mit Gentrifizierung (hoffe, ich darf das hier so schreiben). Kennst du eigentlich das hier schon? Ist war etwas älter, aber sehr spannend. http://www.arch.ethz.ch/~kehoeger/publications/0702_City-Branding_Stuttgart.pdf
Also ich komme aus einer kleinen Stadt, die auch sehr vom Tourismus lebt. Dort kennt sich jeder. Und wenn ich damals bei Stadtfesten war oder einfach nur in der Stadt unterwegs war, musste ich links und rechts schauen – immer nett grüßen – und sich nicht daneben benehmen. Das lag auch am Job bei mir. Auf den Punkt: In Berlin genieße ich die Anonymität, ich muss nicht meine Brille aufsetzen, damit ich auch jeden erkenne und “freundlich grüßen” kann. Ich gehe auf die Straße, wie es mir gefällt. Gern auch mal wie Schlumpi. Das genieße ich an Berlin.
Zitat: “SPIEGEL ONLINE: Aber Wowereit ist unglaublich populär in Berlin, er scheint der perfekte Bürgermeister für die Hauptstadt zu sein: lässig, nicht zu ambitioniert, ein bisschen provinziell. Wie wollen Sie da gegenhalten?
Künast: Ja, Berlin ist von allem etwas: Kiez und Weltmetropole, das ist gerade das Charmante an dieser Stadt. Viele Berlinerinnen und Berliner mögen Wowereits Performance, aber sie sind zugleich enttäuscht von der Politik seines Senats. Sie hat dazu geführt, dass Berlin weit unter seinen Möglichkeiten bleibt. Die Stadt ist vielfach Träger der roten Laterne in Deutschland, etwa bei der Arbeitslosigkeit, der Schulabbrecher-Quote und den Löhnen – das merken die Menschen. Mit dieser Wirklichkeit werde ich den entrückten Bürgermeister und seinen Senat konfrontieren. Glamour ist schön und gut, aber die Wahrheit lautet: Berlin ist extrem hoch verschuldet.”
Hallo,
sehr guter Artikel! Es betrachtet die Stadt aus einer völlig anderen Perspektive als ich sie bisher empfunden habe. Ich bin auch keine Ur-Berlinerin, habe dort jedoch 2,5 Jahre gelebt und liebe die Stadt und vor allem auch die Menschen dort immer noch. Diese Stadt zieht mich immer noch magisch an. Ich könnte mir, nach 11 Jahren seit dem Wegzug aus Berlin, immer noch vorstellen dorthin zurückzuziehen. Ich denke, der Tourismus kommt und geht. Jede größere Stadt ist vom Tourismus und den Einnahmen abhängig. Ich sehe diesem Trend ganz gelassen entgegen, da ich mir sicher bin, dass es ganz bald wieder eine andere Stadt sein wird, wo das “muss man unbedingt sein” Gefühl projeziert wird. Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, als plötzlich sehr viele Unternehmen, freischaffende Künstlerinnen und Künster und das Partyfolk plötzlich aus Hamburg nach Berlin gezogen sind. Man hatte plötzlich das Gefühl, wenn man nicht mitzieht, dann läuft etwas falsch…Das einzige was mich wirklich stört ist, dass die Immo-Preise so in die Höhe geschossen sind obwohl die Löhne und Gehälter nicht daran angepasst wurden. Anderseits sieht es zB. in Hamburg auch nicht besser aus! Es gibt zu wenig Wohnungen, sie sind fast alle zu teuer und der Hype wird in gewissen Stadtteilen aufrechterhalten – auch dies ist meiner Meinung nach ein Trend – es ist eben der Lauf der Dinge. Warten wir noch ein paar Jahre ab und vieles wird sich von alleine regeln.
Ich liebe Berlin – die Menschen dort! Und eins sollte wir uns doch immer in Erinnerung rufen – egal in welcher Großstadt wir in Europa leben – den meisten von uns geht es besser als dem Großteil der Weltbevölkerung – eigentlich leben wir ALLE im Luxus.
Cheers!
Jeexxx
Interessanter Artikel, der viel Wahres enthält …
Ich bin zwar nicht in Berlin geboren, aber lebe noch schon mittlerweile seit 26 Jahren in Berlin.
In den Jahren habe ich Hellersdorf, Weißensee und nun Friedrichshain hinter mir – jetzt wohne ich in Pankow.
Eigentlich ist es schon fazinierend, dass eine Stadt so viele unterschiedliche „kleine Städte” hat.
Hier wo ich jetzt wohne ist es perfekt als kleine Familie – der Gegensatz zu Friedrichshain ist enorm. Zwar ist es hier schon sehr „spießig” und „östlich” – aber ich finds gut, ich weiß voran ich bin. Viele Ecken in Friedrichshain waren für mich einfach nur noch laut und dreckig und voller Missachtung. Die Hausbesetzer und auch viele Touristen, die diese Szene ja bewundern, feiern überall, lassen natürlich alles stehen und liegen, pinkeln Muster an die Hauswand und wenn ich höfflich bitte die Hunde, die gerade mal wieder vor meine Eingangstür ihren Stuhl plumsen lassen haben, festzuhalten, weil mein Sohn genauso groß ist wie sie, werd ich als Hundehasser beschimpft ….
Die unterschiedlichen Kulturen, denen ich in Berlin begegne sind interessant, sie eröffnen Horizonte – aber wie ihr im Artikel schreibt – man fühlt sich teilweise überrumpelt, überfordert …
Ich bin dafür, dass sich Berlin als Hauptstadt präsentiert, aber ich denke nicht, dass ich spießig bin, wenn ich eine Kultur der gegenseitigen Rücksichtnahme einfordere und wir alle dafür Sorgen tragen, dass sich der eingesessene Berliner und die Touristen wohl fühlen ….
Liebe Grüße Janine
Ich lebe nun mittlerweile seit fast drei Jahren in Berlin und finde die Stadt großartig. Allerdings kann ich mir auch nicht vorstellen, für immer hier zu leben. Als Student ist es super, aber spätestens, wenn ich mal Kinder habe, möchte ich aus Berlin wegziehen. Dafür ist es einfach zu groß und hat zu lange Wege.
Aber momentan möchte ich erstmal nicht so schnell hier weg und genieße das Großstadtleben ;).
Ich bin im “Speckgürtel” Berlins groß geworden und finde, es lebt sich dort sehr gut. Interessanterweise leben hier fast nur Ex-Berliner, die alle rausgezogen sind aus der Großstadt, um hier in Ruhe Kind und Kegel grozuziehen. Das gute ist: man ist schnell in der Stadt, wo man super shoppen, feiern und weggehen kann. Es ist einfach immer was los. Aber dort leben, wo andere feiern und ihren Dreck hinterlassen, möchten wohl viele nicht. Letztlich hängt es sicher vom Bezirk ab, in dem man lebt. Doch die richtige Ecke zum Leben in Berlin habe ich noch nicht entdeckt bzw. kann ich nicht bezahlen…